Aufträge finden

Aufträge für Handwerker finden: 8 Wege im Vergleich

Von Ausschreibungen über Handwerkerportale bis zu Hausverwaltungen und Bauträgern: die acht Wege zu neuen Aufträgen, was sie kosten und wie planbar sie sind. Mit Rechenbeispiel und Vorlage.

Kurz gesagt

Handwerker finden Aufträge über Empfehlungen, ein gepflegtes Google-Profil und eine Website mit Leistungsseiten, Handwerkerportale (Preis pro Anfrage oder Abo), öffentliche Ausschreibungen, Hausverwaltungen, Bauträger und Facility-Management-Firmen sowie Kooperationen mit Nachbargewerken. Die verlässlichsten Folgeaufträge bringen gewerbliche Auftraggeber wie Hausverwaltungen.

RatgeberNr. 04
Frage
Wo finde ich als Handwerksbetrieb verlässlich neue Aufträge?
Für
Handwerksbetriebe aller Gewerke
Umfang
5 Min. Lesezeit, 7 Abschnitte
Stand
22.10.2026
Von
Redaktion B2B-Helden
Quellen geprüftKostenlos
Inhalt (8 Abschnitte)
  1. Die Lage 2026
  2. 8 Wege im Überblick
  3. Ausschreibungen und Bauaufträge
  4. Handwerkerportale
  5. Gewerbliche Auftraggeber
  6. Gefunden werden
  7. Anfragen in Aufträge verwandeln
  8. Häufige Fragen

Die Lage 2026: Aufträge kommen nicht mehr von allein

Lange konnten sich viele Handwerksbetriebe die Aufträge aussuchen. Das ist in vielen Gewerken vorbei. Wer jetzt einen zweiten und dritten Weg zu Aufträgen aufbaut, kommt ruhiger durch schwächere Monate.

Deutschland zählt laut Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) 1.038.126 Handwerksbetriebe (Stand Ende 2025). Im zweiten Quartal 2026 fiel das Geschäftsklima um 13 Punkte, die Auftragsreichweite lag bei durchschnittlich 8,7 Wochen, die Auslastung bei 76 Prozent. Gleichzeitig fehlen dem Handwerk nach ZDH-Angaben rund 200.000 Fachkräfte. Das heißt: Aufträge gezielt auswählen, die zu Ihrer Kapazität passen, statt jeden Auftrag anzunehmen.

8 Wege zu Aufträgen im Überblick

Einschätzung der Redaktion
WegTypische AufträgeKostenPlanbarkeit
EmpfehlungenPrivat und Gewerbe im Umfeldgeringniedrig
Google-Profil und WebsiteAnfragen aus der Regiongering bis mittelmittel bis hoch
HandwerkerportaleEinzelaufträge von Privatkundenpro Anfrage oder Abomittel
Öffentliche AusschreibungenBau- und Ausbauleistungen, InstandhaltungZeit für Unterlagenmittel
HausverwaltungenReparaturen, Instandhaltung, RahmenverträgeZeit für Akquisehoch, wenn etabliert
Bauträger und GeneralunternehmerGewerke in größeren ProjektenZeit, Vorleistungmittel
Kooperationen mit NachbargewerkenFolgeaufträgegeringmittel
Direkte Ansprache von GewerbekundenWartung, Umbau, ServiceZeit oder Honorarhoch

Öffentliche Ausschreibungen und Bauaufträge

Öffentliche Auftraggeber schreiben Bau- und Handwerksleistungen auf zentralen Portalen aus. Kostenlos suchen können Sie auf service.bund.de und oeffentlichevergabe.de, größere Aufträge stehen zusätzlich im EU-Amtsblatt TED. Angebote geben Sie über die Vergabeplattform der jeweiligen Vergabestelle ab, zum Beispiel DTVP, den Vergabemarktplatz NRW oder die Plattformen anderer Länder.

  1. Suchprofil anlegen

    Gewerk, Region, Auftragsgröße. Viele Portale schicken neue Ausschreibungen per E-Mail oder RSS.

  2. Unterlagen bereithalten

    Handwerksrolle oder Gewerbeanmeldung, Unbedenklichkeitsbescheinigungen, Versicherung, Referenzen, Angaben zu Umsatz und Personal.

  3. Präqualifizierung prüfen

    Für Bauleistungen gibt es die Präqualifizierung nach VOB/A (PQ-VOB). Sie ersetzt viele Einzelnachweise in jeder Ausschreibung.

  4. Klein anfangen

    Lose und kleinere Aufträge unterhalb der EU-Schwellenwerte haben weniger Formalien. Der EU-Schwellenwert für Bauaufträge liegt seit 1. Januar 2026 bei 5.404.000 Euro netto.

Handwerkerportale: lohnt sich das?

Portale bringen Anfragen, ohne dass Sie selbst Kunden suchen müssen. Sie kosten aber Geld, und die Anfragen gehen oft an mehrere Betriebe gleichzeitig. Die Modelle unterscheiden sich:

Modelle laut Anbieter, Stand Oktober 2026. Preise bitte beim Anbieter prüfen.
ModellSo funktioniert esBeispiel
Preis pro AnfrageSie zahlen für jeden Kontakt, egal ob Sie den Auftrag bekommenAroundhome: Festpreis pro qualifizierter Anfrage, höchstens drei Partner pro Anfrage, keine Provision
AboFester Monats- oder Jahresbeitrag, dafür Zugang zu AnfragenDaibau: Abo, Aufnahme erst ab fünf Jahren Erfahrung und 10.000 Euro Jahresumsatz
AnzeigenSie inserieren Ihre Leistung, Kunden melden sichKleinanzeigen mit gewerblichen Paketen

Bekannte Portale wie MyHammer, CHECK24 Profis oder Blauarbeit arbeiten mit eigenen Modellen, die sich regelmäßig ändern. Einen aktuellen unabhängigen Test haben wir nicht gefunden. Rechnen Sie deshalb vorher:

Rechenbeispiel, keine Durchschnittswerte
PostenBeispiel
Kosten pro Anfrage25 €
Anfragen bis zu einem Auftrag6
Kosten pro gewonnenem Auftrag150 €
Durchschnittlicher Deckungsbeitrag pro Auftrag600 €
Ergebnislohnt sich, solange die Quote hält

Gewerbliche Auftraggeber: Hausverwaltungen, Bauträger, Facility Management

Gewerbliche Kunden vergeben regelmäßig Aufträge und bezahlen verlässlich. Eine Hausverwaltung mit vielen Objekten braucht laufend Handwerker für Reparaturen und Instandhaltung. Wer dort einmal gelistet ist, bekommt Folgeaufträge ohne neue Akquise.

AuftraggeberWas dort zähltEinstieg
HausverwaltungenSchnelle Reaktion, saubere Dokumentation, faire NotdienstpreiseVorstellungsbrief, dann Angebot für einen ersten kleinen Auftrag
Bauträger und GeneralunternehmerTermintreue, Kapazität, GewährleistungPräqualifizierung, Referenzen, Anfrage nach Nachunternehmerliste
Facility ManagementVerfügbarkeit in der Fläche, NachweiseKapazität konkret anbieten, Rahmenvertrag anstreben
Gewerbe und HandelWenig Ausfallzeit, WartungsverträgeWartung oder Prüfung als Einstiegsleistung
Vorlage: Vorstellung bei einer Hausverwaltung
Betreff: [Gewerk] für Ihre Objekte in [Ort]: schnell vor Ort, sauber dokumentiert

Sehr geehrte/r [Anrede und Name],

wir sind ein [Gewerk]-Betrieb aus [Ort] mit [Zahl] Mitarbeitern und arbeiten bereits für [Referenz ohne Namen, z. B. zwei Hausverwaltungen im Landkreis].

Für Verwaltungen wichtig:
[Nutzen 1, z. B. Rückmeldung innerhalb eines Werktags, Termin innerhalb von drei Werktagen]
[Nutzen 2, z. B. Fotodokumentation und Rechnung pro Objekt]

Gern übernehmen wir einen ersten kleinen Auftrag, damit Sie uns kennenlernen. Sie erreichen mich direkt unter [Telefon] oder [E-Mail].

Mit freundlichen Grüßen
[Name, Betrieb, Adresse]

Gefunden werden

  • Google-Unternehmensprofil mit allen Leistungen, Einsatzgebiet, echten Fotos von Baustellen und Antworten auf jede Bewertung.
  • Eine Seite pro Leistung auf Ihrer Website, zum Beispiel „Badsanierung in [Ort]“, mit Ablauf, Beispielen und Preisrahmen.
  • Bewertungen nach jedem Auftrag erfragen, am besten direkt bei der Abnahme.
  • Kontakt ohne Hürde: Telefon, E-Mail und ein kurzes Formular mit nur den nötigen Pflichtfeldern.

Anfragen schneller in Aufträge verwandeln

Viele Betriebe verlieren Aufträge nicht bei der Suche, sondern danach: Rückruf erst nach Tagen, Angebot nach Wochen. Wer schnell und klar reagiert, gewinnt auch gegen günstigere Mitbewerber.

  1. Am selben Tag melden

    Auch wenn Sie noch keinen Termin haben: eine kurze Rückmeldung, wann Sie sich kümmern.

  2. Termin mit zwei Vorschlägen

    „Dienstag 8 Uhr oder Donnerstag 15 Uhr?“ spart Rückfragen.

  3. Angebot innerhalb weniger Tage

    Mit Positionen, Zeitraum und Gültigkeit. Unklare Pauschalen schrecken ab.

  4. Nachfassen nach einer Woche

    Ein kurzer Anruf beim Kunden, der angefragt hat, ist oft entscheidend.

Wie Sie gezielt neue Gewerbekunden ansprechen, zeigt der Ratgeber Neukundengewinnung. Wenn Sie ein Reinigungsunternehmen führen: Reinigungsaufträge finden.

Häufige Fragen

Wo finden Handwerker kostenlos Aufträge?

Kostenlos sind Empfehlungen, das Google-Unternehmensprofil, die Suche nach öffentlichen Ausschreibungen auf service.bund.de, oeffentlichevergabe.de und TED sowie die direkte Ansprache von Hausverwaltungen und Gewerbekunden per Brief. Handwerkerportale kosten in der Regel Geld, pro Anfrage oder im Abo.

Lohnen sich Handwerkerportale?

Das hängt von den Kosten pro Anfrage und Ihrer Abschlussquote ab. Rechnen Sie: Kosten pro Anfrage mal Anfragen bis zu einem Auftrag ergibt die Kosten pro Auftrag. Liegt dieser Wert deutlich unter Ihrem Deckungsbeitrag, lohnt sich das Portal. Als einziger Kanal machen Portale abhängig.

Wie komme ich an Aufträge von Hausverwaltungen?

Mit einem kurzen Vorstellungsbrief an den zuständigen Objektbetreuer, schneller Reaktion auf die erste Anfrage und sauberer Dokumentation. Viele Verwaltungen testen einen neuen Betrieb mit einem kleinen Auftrag. Wer dort überzeugt, bekommt Folgeaufträge.

Brauche ich für öffentliche Aufträge eine Präqualifizierung?

Nicht zwingend, aber sie spart Arbeit. Für Bauleistungen gibt es die Präqualifizierung nach VOB/A (PQ-VOB), für Liefer- und Dienstleistungen das amtliche Verzeichnis der IHK (AVPQ). Ohne Präqualifizierung reichen Sie die Nachweise in jeder Ausschreibung einzeln ein.

Quellen

  1. ZDH: Wirtschaftlicher Stellenwert des Handwerks 2025
  2. ZDH: Konjunkturbericht 2. Quartal 2026
  3. ZDH: Berufliche Bildung stärken, um Fachkräftebedarf zu sichern (03.11.2025)
  4. service.bund.de: Ausschreibungen
  5. Präqualifizierung von Bauunternehmen (PQ-VOB)
  6. Aroundhome: Partner werden
  7. Daibau: Für Profis

Redaktion B2B-Helden. Wir schreiben für Inhaber und Vertriebsverantwortliche in Handwerk und Dienstleistung. Praxiswissen aus den Kampagnen von Vertriebs-Maschine, Marktangaben mit Quelle.

Erstellt am 21.10.2026, zuletzt geprüft am 22.10.2026. So arbeiten wir

Selbst machen oder machen lassen

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