Strategie

Neukundengewinnung im B2B: 12 Wege zu neuen Gewerbekunden

Gefunden werden, empfohlen werden, selbst ansprechen, Aufträge abholen: die zwölf Wege, mit denen Handwerksbetriebe und Dienstleister neue Gewerbekunden gewinnen. Mit Vergleich, 90-Tage-Plan und Kostenrechnung.

Kurz gesagt

Neukunden im B2B gewinnen Sie über vier Gruppen von Maßnahmen: gefunden werden (Google-Profil, Website, Bewertungen), empfohlen werden (Empfehlungen, Kooperationen, Netzwerke), selbst ansprechen (Brief, Besuch, Telefon mit Anlass, E-Mail an bestehende Kontakte) und Aufträge abholen (Ausschreibungen, Plattformen, Subunternehmer-Aufträge). Am besten kombinieren Sie aus jeder Gruppe einen Weg und messen die Kosten pro gewonnenem Kunden.

RatgeberNr. 02
Frage
Welche Wege zu neuen Gewerbekunden lohnen sich für meinen Betrieb?
Für
Inhaber und Vertrieb in Handwerk und Dienstleistung
Umfang
5 Min. Lesezeit, 7 Abschnitte
Stand
22.10.2026
Von
Redaktion B2B-Helden
Quellen geprüftKostenlos
Inhalt (8 Abschnitte)
  1. Was ist Neukundengewinnung?
  2. Bevor Sie starten: drei Fragen
  3. 12 Wege zu neuen Gewerbekunden
  4. Welche Maßnahme passt wann?
  5. Ein 90-Tage-Plan
  6. Was kostet ein Neukunde?
  7. Neukunden halten
  8. Häufige Fragen

Was ist Neukundengewinnung?

Neukundengewinnung umfasst alles, was ein Betrieb tut, damit Unternehmen, die ihn noch nicht kennen, zu zahlenden Kunden werden: gefunden werden, empfohlen werden, selbst ansprechen und Aufträge dort abholen, wo sie ausgeschrieben werden.

Für viele Handwerksbetriebe und Dienstleister war das lange kein Thema, weil die Aufträge von allein kamen. Das ändert sich. Im zweiten Quartal 2026 sank das Geschäftsklima im Handwerk laut Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) um 13 Punkte, die Aufträge reichten im Schnitt noch für 8,7 Wochen. In der Gebäudereinigung meldeten in der Frühjahrsumfrage 2026 des Bundesinnungsverbands 49 Prozent der Betriebe weniger Kunden oder Aufträge. Wer jetzt einen verlässlichen Weg zu neuen Gewerbekunden aufbaut, ist unabhängiger von Empfehlungen und Zufall.

Bevor Sie starten: drei Fragen

  1. Wen wollen Sie wirklich?

    Beschreiben Sie Ihren besten bestehenden Kunden: Branche, Größe, Ort, Auftragsart. Genau solche Kunden suchen Sie. „Alle Gewerbekunden“ ist keine Zielgruppe.

  2. Warum Sie und nicht der Mitbewerber?

    Ein Satz, den Ihr Kunde wiederholen würde: feste Ansprechpartner, Reaktionszeit, Spezialisierung, Nachweise, Zertifikate. Das ist der Kern jeder Ansprache.

  3. Wie viele neue Kunden können Sie bedienen?

    Akquise ohne Kapazität schadet. Planen Sie Personal und Termine mit, bevor Sie eine größere Aktion starten.

12 Wege zu neuen Gewerbekunden

Die Wege lassen sich in vier Gruppen ordnen. Die meisten Betriebe brauchen aus jeder Gruppe mindestens einen.

Gefunden werden

  1. Google-Unternehmensprofil pflegen

    Kostenlos und oft der erste Eindruck. Vollständige Leistungen, echte Fotos, Öffnungszeiten und Antworten auf Bewertungen. Gewerbekunden prüfen damit, ob es Sie wirklich gibt.

  2. Eine Website mit eigenen Leistungsseiten

    Eine Seite pro Leistung und Zielgruppe, zum Beispiel „Praxisreinigung in [Ort]“ statt einer Seite „Leistungen“. So werden Sie für konkrete Suchanfragen gefunden.

  3. Bewertungen aktiv einholen

    Fragen Sie zufriedene Gewerbekunden direkt nach Abschluss eines Auftrags. Ein kurzer Link per Nachricht genügt.

Empfohlen werden

  1. Empfehlungen systematisch erfragen

    Die stärkste Quelle, aber nur, wenn Sie danach fragen. Ein fester Moment dafür, etwa beim ersten Quartalsgespräch, macht Empfehlungen planbar.

  2. Kooperationen mit Nachbargewerken

    Ein Maler empfiehlt den Bodenleger, die Reinigungsfirma den Hausmeisterservice. Vereinbaren Sie, wer wen wann empfiehlt.

  3. Netzwerke und Verbände

    Innung, Unternehmerstammtisch, regionale Wirtschaftsverbände. Dort entstehen Kontakte mit echtem Anlass, an die Sie später anknüpfen können.

Selbst ansprechen

  1. Persönlicher Akquise-Brief

    Im B2B unterschätzt und oft gelesen. Kurz, persönlich adressiert, mit einem Bezug zum Betrieb und einem klaren nächsten Schritt. Vorlage im Ratgeber Kaltakquise.

  2. Besuch vor Ort

    Für lokale Betriebe in Gewerbegebieten oder Ärztehäusern. Kurz vorstellen, Visitenkarte oder Flyer dalassen, nach dem richtigen Ansprechpartner fragen.

  3. Telefon mit konkretem Anlass

    Nach einem Messegespräch, einer Anfrage, einer Ausschreibung oder einem Brief. Mit einem konkreten Anlass ist das Gespräch leichter und der Empfänger offener.

  4. E-Mail an bestehende Kontakte

    An Bestandskunden und Kontakte aus Messe, Netzwerk oder Anfrage. Kurz, persönlich und mit einer klaren Frage. Aufbau und Vorlagen im Ratgeber Cold E-Mail.

Aufträge abholen

  1. Öffentliche Ausschreibungen

    Bund, Länder und Kommunen veröffentlichen ihren Bedarf, etwa auf service.bund.de oder oeffentlichevergabe.de. Der Bedarf ist sicher, der Preiswettbewerb hart.

  2. Plattformen und Subunternehmer-Aufträge

    Auftragsportale für Handwerk und Dienstleistung, dazu größere Firmen und Facility-Management-Anbieter, die Subunternehmer suchen. Wie das für Reinigung und Handwerk aussieht, zeigen Reinigungsaufträge finden und Aufträge für Handwerker.

Welche Maßnahme passt wann?

Einschätzung der Redaktion. Kosten ohne eigene Arbeitszeit.
MaßnahmeKostenBis erste ErgebnissePlanbarkeit
Google-Profil und BewertungengeringWochen bis Monatemittel
Website mit Leistungsseiteneinmalig mittelMonatehoch, wenn gepflegt
Empfehlungen und Kooperationengeringunregelmäßigniedrig bis mittel
Akquise-Brief mit NachfassenPorto und Druck2 bis 6 Wochenhoch
Besuch vor OrtZeitsofortmittel
Öffentliche AusschreibungenZeit für UnterlagenWochen bis Monatemittel
PlattformenGebühren je nach ModellTage bis Wochenmittel
Akquise auslagernHonorareinige Wochenhoch

Ein 90-Tage-Plan

Ein realistischer Plan für einen Betrieb, der neben dem Tagesgeschäft vier Stunden pro Woche für Akquise einplant.

ZeitraumAufgabeErgebnis
Woche 1 bis 2Idealkunden festlegen, Google-Profil vervollständigen, 50 Zielbetriebe recherchierenListe mit Ansprechpartnern und Anlass
Woche 3 bis 4Erste 25 Akquise-Briefe, Kooperationspartner ansprechenErste Rückmeldungen
Woche 5 bis 8Nachfassen, Besichtigungen, weitere 25 Briefe, Ausschreibungsportale einrichtenTermine und erste Angebote
Woche 9 bis 12Angebote nachverfolgen, Bewertungen einholen, Zahlen auswertenAufträge und Kennzahlen für die nächste Runde

Was kostet ein Neukunde?

Die wichtigste Kennzahl ist der Preis für einen gewonnenen Kunden: alle Kosten einer Maßnahme, geteilt durch die Zahl der Neukunden, die daraus entstanden sind. Zählen Sie Ihre eigene Arbeitszeit mit.

Rechenbeispiel, keine Durchschnittswerte
PostenBeispiel
Porto und Druck für 100 Briefe120 €
Eigene Zeit: 12 Stunden zu 50 €600 €
Summe720 €
Gewonnene Kunden2
Kosten pro Neukunde360 €

Vergleichen Sie diesen Wert mit dem Deckungsbeitrag, den ein Kunde im ersten Jahr bringt. Bei Daueraufträgen wie Unterhaltsreinigung oder Wartung darf ein Neukunde deutlich mehr kosten als bei einem einmaligen Auftrag.

Neukunden halten

Ein neuer Kunde ist teuer, ein gehaltener Kunde ist günstig. Wer schon bei Ihnen gekauft hat, kauft leichter wieder und empfiehlt Sie weiter. Ein paar feste Routinen genügen:

  • Nach dem ersten Monat nachfragen, ob alles passt.
  • Ein fester Ansprechpartner mit Telefonnummer und Vertretung.
  • Zusatzleistungen anbieten, die zum Auftrag passen, zum Beispiel Glasreinigung zur Unterhaltsreinigung.
  • Einmal im Jahr ein kurzes Gespräch über Zufriedenheit und Bedarf, verbunden mit der Frage nach einer Empfehlung.

Häufige Fragen

Wie gewinnt man am besten Neukunden im B2B?

Mit einer klar beschriebenen Zielgruppe und mehreren Wegen gleichzeitig: sichtbar sein (Google-Profil, Website), Empfehlungen aktiv erfragen, Zielkunden mit einem echten Anlass ansprechen und Ausschreibungen oder Plattformen nutzen. Entscheidend ist, die Ergebnisse jedes Wegs zu messen und auszubauen, was funktioniert.

Welche Maßnahmen zur Neukundengewinnung kosten wenig?

Ein gepflegtes Google-Unternehmensprofil, aktiv eingeholte Bewertungen, Empfehlungen von Bestandskunden, Kooperationen mit Nachbargewerken und persönliche Akquise-Briefe. Sie kosten vor allem Zeit, kaum Geld.

Wie schnell bringt Neukundengewinnung Aufträge?

Direkte Ansprache per Brief und Besuch oder Ausschreibungen können innerhalb weniger Wochen zu Terminen führen. Sichtbarkeit über Website und Google wirkt eher über Monate, dafür dauerhaft.

Was ist der Unterschied zwischen Neukundengewinnung und Kaltakquise?

Kaltakquise ist ein Teil der Neukundengewinnung: die direkte Ansprache von Kunden ohne bestehenden Kontakt. Zur Neukundengewinnung gehören außerdem Empfehlungen, Sichtbarkeit im Internet, Ausschreibungen und Plattformen.

Kann ich die Neukundengewinnung auslagern?

Ja. Es gibt Dienstleister, die Zielkunden recherchieren, ansprechen und Interessenten an Sie übergeben. Achten Sie darauf, dass Kontakte exklusiv für Sie recherchiert werden und dass Sie die Ergebnisse nachvollziehen können.

Quellen

  1. ZDH: Konjunkturbericht 2. Quartal 2026
  2. Bundesinnungsverband des Gebäudereiniger-Handwerks: Frühjahrsumfrage, 14.04.2026 (PDF)
  3. service.bund.de: Ausschreibungen suchen

Redaktion B2B-Helden. Wir schreiben für Inhaber und Vertriebsverantwortliche in Handwerk und Dienstleistung. Praxiswissen aus den Kampagnen von Vertriebs-Maschine, Marktangaben mit Quelle.

Erstellt am 21.10.2026, zuletzt geprüft am 22.10.2026. So arbeiten wir

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